Steuerliche Unterschiede der Selbständigkeit

Wichtige Tipps und Tricks rund ums Thema

Statistisch gesehen wagen heutzutage knapp 4 Millionen Menschen den Schritt in die hauptberufliche Selbstständigkeit, wovon sich knapp 1,4 Millionen zu den Freiberuflern zählen. Dies stellt zwar landesintern eine positive Entwicklung dar, europaweit liegt Deutschland jedoch unter dem Schnitt. 

Der Angst, in die Selbstständigkeit zu wechseln, liegt dabei nicht nur im Zweifel, ob ein Geschäft funktioniert, sondern auch an den steigenden Steuern. Viele Selbstständige verkalkulieren sich und müssen bereits in der Gründungsphase aufgrund zusätzlich hinzukommender Kosten das Handtuch werfen. Dabei ist zu erwähnen, dass gerade in der Anfangszeit viele Gründer eine mangelhafte Sozialabsicherung aufweisen. Außerdem ist seit einiger Zeit der Gedanke im Umlauf, für Selbstständige verbindliche Mindesthonorare, ähnlich dem Mindestlohn, einzuführen, um gerade Anfänger vor Ausbeutung zu schützen. 






Personengesellschaften

Personengesellschaften gelten rechtlich gesehen nicht als juristische Person und schließen Kaufleute, Einzelunternehmer, offene Handelsgesellschaften (OHG) und Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR) ein.

Die wichtigsten Steuerarten für diese Personengruppe sind

- Die Einkommenssteuer
- Die Umsatzsteuer / Vorsteuer 
- Die Gewerbesteuer

Die Einkommenssteuer berechnet sich stets progressiv nach Abzug des momentanen jährlichen steuerlichen Freibetrages und ist jährlich fällig. Der Grundbetrag für Singles liegt momentan bei 9.000, wobei er von persönlichen Faktoren abhängt und individuell, beispielsweise bei der Geburt eines Kindes, erhöht werden kann. Sobald der Steuerfreibetrag überschritten ist, wird die Zahlung der Einkommenssteuer fällig, welche vom jeweiligen Jahresgewinn abhängt. Zusätzlich zur Einkommenssteuer ist ein Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 % der berechneten Einkommenssteuer fällig.

Die Umsatzsteuer beträgt in Deutschland 19 % eines Nettobetrags, wobei sie in Einzelfällen auf 7 %, beispielsweise bei einem Bücherverkauf, sinken kann. Dabei kann die Umsatzsteuer, die für den Erwerb von berufsbedingten Waren gezahlt wurde, als Vorsteuer von der eigenen Umsatzsteuer abgesetzt werden. Die Umsatzsteuervoranmeldung ist je nach Absprache monatlich, quartalweise oder jährlich an das Finanzamt zu übermitteln und zeitgleich zu entrichten.

Tipp: Gerade in der Gründungsphase können sich Unternehmer von der Umsatzsteuer befreien lassen, vorausgesetzt, sie liegen unter der jeweiligen Mindestgrenze. Dieser Umstand ist in § 19 UstG., Besteuerung der Kleinunternehmer geregelt.

Sollte eine Personengesellschaft als Gewerbe geführt werden, muss diese jährlich die Gewerbesteuer, welche auf die Einkommenssteuer anrechenbar ist, an das Finanzamt entrichten. Der Freibetrag für die Bemessung liegt bei 24.500,- € und ist vom Austragungsort, der jeweiligen Gemeinde, der Selbstständigkeit abhängig.

Kapitalgesellschaften

Die Kapitalgesellschaften gelten juristisch gesehen als juristische Personen und schließen beispielsweise Aktiengesellschaften (AG) und Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) ein. Die Zugehörigkeit wird dabei im 3. Buch des HGB geregelt.  

Die wichtigsten Steuerarten für diese Personengruppe sind:

- Die Körperschaftssteuer 
- Die Umsatzsteuer / Vorsteuer

 Kapitalgesellschaften zahlen jährlich eine Körperschaftssteuer in Höhe von 15 % des Gewinns zzgl. 5,5 % Solidaritätszuschlag an das Finanzamt. Zusätzlich dazu muss bei einer Ausschüttung des Gewinns an die Mitglieder eine Abgeltungssteuer in Höhe von 25 % zzgl. 5,5 % Solidaritätszuschlag an das Finanzamt entrichtet werden.

Auch hier beträgt die übliche Umsatzsteuer 19 %, wobei sie in Ausnahmefällen auf 7 % sinken kann.

Tipp: Wer in Erwägung zieht, einen Mitarbeiter zu beschäftigen, sollte sich bewusst sein, dass hier zusätzlich Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag sowie Kirchensteuer fällig werden. Diese sind vom jeweiligen Brutto einzubehalten und bis zum 10. eines jeden Monats an das Finanzamt zu entrichten. Dies gilt für alle drei Berufsgruppen, wobei bei Freiberuflern unter Umständen mögliche Sonderregelungen zu beachten sind

Freiberufler

Als Freiberufler gelten in Deutschland speziell katalogisierte Berufe, wobei man die Zugehörigkeit beim Finanzamt vor Ort erfragen kann. Diese müssen sich nicht beim Gewerbeamt, sondern lediglich beim Finanzamt anmelden und genießen oftmals steuerliche Vorteile gegenüber Gewerbebetreibenden.

Die wichtigsten Steuerarten für Freiberufler sind:

- Die Einkommenssteuer
- Die Umsatzsteuer / Vorsteuer

Die Einkommenssteuer berechnet sich ebenso wie bei Gewerbebetreibenden. Das heißt sie hat ebenso den Satz von 19 % bzw. 7 %, ist progressiv und vom jeweiligen Gewinn abhängig. Außerdem können betriebsbedingte Ausgaben, wie ein Firmenfahrzeug, Werbegeschenke und sonstiges, auf die Einkommenssteuer angerechnet werden. 

Tipp: Freiberufler sollten sich, sofern es sich um eine künstlerische oder publizistische Tätigkeit handeln, bei der Künstlersozialkasse melden. Diese übernimmt bei jeweiliger Versicherungspflicht die Rolle eines fiktiven Arbeitnehmers und entrichtet für die derzeit fälligen Sozialversicherungen den Arbeitnehmeranteil. Die Prüfung, ob eine Versicherungspflicht besteht, dauert bis zu sechs Monaten, wobei überzahlte Beiträge ab dem Datum der Antragstellung, beispielsweise von Krankenkassen, dem Freiberufler zu erstatten sind.

Oftmals zieht eine solche Versicherungspflicht eine erhebliche Beitragsentlastung nach sich.

Wer sich im Voraus bereits über die fällige Einkommenssteuer informieren möchte, kann aus den zahlreichen Diensten des Internets einen passenden Brutto-Netto-Rechner auswählen. Hier kann die voraussichtliche Erstattung bzw. Nachzahlung unter Einfluss bestimmter Faktoren errechnet werden. Allerdings sollte beachtet werden, dass solche Rechner keine zuverlässige Quelle darstellen und nur als Richtlinie genommen werden sollten. Sie ersetzen in keinem Fall den Gang zum Steuerberater.

Fazit

Bevor man sich selbstständig macht, sollte in jedem Fall ein Gespräch mit einem Steuerberater gesucht werden. Dieser kann konkrete und vor allem verbindliche Auskünfte zur Steuerpflicht erteilen. Außerdem kann der Steuerberater bei der Erstellung einer jährlichen Bilanz, einer Einkommenssteuererklärung und der monatlichen, vierteljährlichen oder halbjährlichen Umsatzsteuervoranmeldung behilflich sein. Außerdem sollten sich künftige Gewerbebetreibende beim Gewerbeamt melden, wobei eine geringe, Gemeinde abhängige Anmeldegebühr erhoben würde. Gerade für Freiberufler ist die Kontaktaufnahme zur Künstlersozialkasse interessant und birgt oftmals einige finanzielle Vorteile und beseitigt restliche Unklarheiten.

Oftmals bietet das Jobcenter Unterstützung, in Form von Seminaren oder finanziellen Förderungen für Existenzgründer an. Auch hier ist es durchaus ratsam, sich im Voraus zu erkundigen.